{"id":176,"date":"2018-12-09T15:50:42","date_gmt":"2018-12-09T15:50:42","guid":{"rendered":"http:\/\/laranathalieaugust.de\/?page_id=176"},"modified":"2019-01-04T06:06:31","modified_gmt":"2019-01-04T06:06:31","slug":"fallbeispiele","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/laranathalieaugust.de\/?page_id=176","title":{"rendered":"Fallbeispiel"},"content":{"rendered":"<h3>Falldokumentation, Einzelsetting, Aufstellung mit Playmobilfiguren am Familienbrett<\/h3>\n<h3>Abgrenzung, Arbeit mit dem inneren Kind und dem inneren Erwachsenen<\/h3>\n<h3><\/h3>\n<p>Starke Handlungsunf\u00e4higkeit durch Rheumaschmerz, wenn sorgf\u00e4ltig getroffene Entscheidungen der Klientin unvermeidbar unbequeme Auswirkungen haben.<\/p>\n<p>Tritt zum Beispiel im Beruf auf, wenn die Klientin die Wahrheit sagt und f\u00fcr ihre \u00dcberzeugungen eintritt, auch wenn das unbequeme Umwege f\u00fcr die Firma und die Mitarbeiter bedeutet. Auf lange Sicht f\u00fchrt ihre offene Kritik jedoch zu mehr Erfolg.<\/p>\n<p>Auf lange Sicht f\u00fchrt ihre offene Kritik jedoch zu mehr Erfolg.<\/p>\n<p><strong>Klientin:<\/strong> 50 Jahre alt, Projektmanagerin<\/p>\n<p><strong>Bisherige Therapieerfahrung:<\/strong> Tiefenpsychologische Psychotherapie, abgebrochen<\/p>\n<p><span style=\"color: #d6d022;\"><strong>Ausgangslage:<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Die Klientin leidet seit ihrer Kindheit an starkem Rheuma. Es zwingt sie immer wieder dazu, tagelang im Bett liegen zu bleiben. Die Sch\u00fcbe kommen oft sehr schlagartig, mit gro\u00dfer Wucht und nehmen ihr komplett die Kontrolle \u00fcber ihr Leben. Besonders gegen\u00fcber Personen, die autorit\u00e4r ihre Macht missbrauchen, reagiert sie nach Konflikten mit starkem Rheumaschmerz. Dieser Zusammenhang wirkt sich besonders auf ihr Berufsleben aus. Sie liebt ihren Job, wird dort anerkannt und wertgesch\u00e4tzt. Nach den benannten Konflikten somatisiert sie jedoch so stark durch Rheuma, dass sie aufgrund des Leidensdrucks gerne eine Aufstellung machen m\u00f6chte. Sie hat kein Problem damit, ihren \u00dcberzeugungen zu folgen, m\u00f6chte es aber ohne Rheuma schaffen.<\/p>\n<p><span style=\"color: #d6d022;\"><strong>Vorgehen:<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Nachdem die Klientin ihr Anliegen geschildert hat, formuliert sie in Zusammenarbeit mit mir die konkrete Fragestellung \u201eWie kann ich schmerzfrei meinen \u00dcberzeugungen folgen?\u201c f\u00fcr eine Einzelarbeit mit Playmobilfiguren.<\/p>\n<p>Ich bitte sie, sich an eine konkrete Situation aus ihrer Kindheit zu erinnern, in der das Rheuma fr\u00fchzeitig durch die oben beschriebenen Konflikte auftrat. Sie schildert, wie sie als Grundsch\u00fclerin wochenlang von ihrem psychisch kranken Vater gezwungen wurde, ihre Hausaufgaben wieder und wieder abzuschreiben, obwohl sie fehlerfrei waren. Sie waren ihm nicht perfekt genug. Sie hat sich verbal vehement gewehrt und durch starkes Rheuma reagiert.<\/p>\n<p>Ausgehend von dieser Situation m\u00f6chte sie sich als Kind, ihre Mutter, ihre Schwester, ihren Vater, den Schmerz und die Nachbarn aufstellen. Die Nachbarn stehen als Symbol f\u00fcr Menschen, die weg geschaut haben anstatt zu helfen. Ich gebe ihr die Aufgabe noch einen Gegenspieler zum Schmerz aufzustellen, damit sie sich nicht zu sehr auf das Negative konzentriert. Sie w\u00e4hlt die Selbstliebe. Nachdem sie alle Figuren ausgew\u00e4hlt und aufgestellt hat, soll sie jeder Figur einen Satz zuordnen:<\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Sie als Kind: \u201eIch mache doch alles richtig!\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Mama: \u201eBenimm dich!\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Papa: \u201eRei\u00df dich am Riemen!\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Schmerz: \u201eDu hast Recht, ich unterst\u00fctze dich.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Selbstliebe: \u201eIch m\u00f6chte dir helfen.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Nachbarn: \u201eWas macht der Mann da?\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Schwester: \u201eStreng dich einfach mehr an.\u201c<\/span><\/p>\n<p>Das aufgestellte Szenario beschreibt sie als erdr\u00fcckend mit einem Gef\u00fchl von gro\u00dfer Einsamkeit und Hilflosigkeit. Sie hat das Gef\u00fchl, sie m\u00fcsse Schmerzen haben, um Recht zu haben. Sie stellt fest, dass der Schmerz ihre einzige St\u00fctze war. Es macht sie traurig, dass sie die Selbstliebe aus dem Blickfeld verloren hat.<\/p>\n<p>Im Anschluss schildere ich meine Sichtweise, die ganz \u00e4hnlich ist. Ihre Verzweiflung und die Hilflosigkeit sind stark f\u00fcr mich sp\u00fcrbar. Ebenso die immense Autorit\u00e4t des Vaters. Besonders f\u00e4llt mir in ihrer Position auf, dass ich mich bewegungsunf\u00e4hig f\u00fchle und es nicht einmal schaffe, meinen Kopf zur Selbstliebe umzudrehen, die hinter mir steht. Ihre Figur steht der des Vaters scheinbar hilflos gegen\u00fcber. Weit dahinter stehen Nachbarn, Schwester und Mutter. Die Selbstliebe ist am weitesten entfernt und schaut in eine ganz andere Richtung.<\/p>\n<p>Nun fragen wir die einzelnen Figuren ab. Erst die Klientin und dann ich. Einmal mehr wird deutlich, dass es damals keinen anderen Ausweg f\u00fcr sie gab, als Rheuma zu entwickeln. Der Rheumaschmerz war verl\u00e4sslich f\u00fcr sie da und hat sie ihre einsame Kindheit \u00fcberleben lassen. Er steht so nah an ihr, dass sie ohne ihn umfallen w\u00fcrde und sie sagt den Satz: \u201eIch muss leiden, um Recht zu haben\u201c, als ihre Figur abgefragt wird. Der Vater sagt: \u201eSelbstliebe ist Luxus und bringt dich nicht weit.\u201c<\/p>\n<p>Zusammen beschlie\u00dfen wir im Soll-Bild noch eine zus\u00e4tzliche Hilfe f\u00fcr sie aufzustellen und w\u00e4hlen ihr erwachsenes Ich. Es gibt der Kinderfigur Karins (dem verletzten inneren Kind) Halt. Als sie im Soll-Bild sich als Kind, ihr erwachsenes Ich und die Selbstliebe dem Vater gegen\u00fcber stellt, kann sie den Rheumaschmerz aus dem Szanario entfernen. Er geh\u00f6rt so f\u00fcr sie nicht mehr dazu. Sie h\u00e4lt ihn jedoch krampfhaft fest. Ich nehme ihr die Figur weg, woraufhin sie erleichtert wirkt. Sie kam auch mit Schmerzen in den H\u00e4nden in die Aufstellungsarbeit. Nun soll sie noch eine Ver\u00e4nderung an ihrer Figur in der urspr\u00fcnglichen Aufstellung vornehmen. Sie schafft es nun ihre Figur zur Selbstliebe umzudrehen und auch weiter vom Schmerz zu entfernen.<\/p>\n<p>Auf meine abschlie\u00dfende Frage, was das konkret im Alltag f\u00fcr sie bedeutet antwortet sie, dass sie sich selbst mehr im Blick haben und w\u00fcrdigen will. Sie sei sich der Tatsache bewusst geworden, dass sie heutzutage als Erwachsene ihrem inneren Kind in Konflikten Halt geben kann. Sie m\u00f6chte h\u00e4ufiger selbst entscheiden, in welche Richtung sie blickt und dann lieber die Selbstliebe anstelle des Schmerzes anblicken. Sie hat erkannt, dass Selbstliebe eine gesunde emotionale St\u00fctze sein kann, die ohne Schmerz auskommt und geht sogar ohne Rheumaschmerzen nach Hause. Sie muss keinen Schmerz empfinden, um Recht zu haben und darf sich lieben, wie sie ist.<\/p>\n<p>Ein paar Tage nach der Arbeit schreibt mir dir Klientin eine E-Mail: \u201eHallo Lara, herzlichen Dank f\u00fcr die sch\u00f6ne und spannende Aufstellung. Es war wunderbar, wie du mich begleitet hast auf dem Weg, den Schmerz in Selbstliebe zu verwandeln.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Falldokumentation, Einzelsetting, Aufstellung mit Playmobilfiguren am Familienbrett Abgrenzung, Arbeit mit dem inneren Kind und dem inneren Erwachsenen Starke Handlungsunf\u00e4higkeit durch Rheumaschmerz, wenn sorgf\u00e4ltig getroffene Entscheidungen der Klientin unvermeidbar unbequeme Auswirkungen haben. 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